Dom Erwin Kräutler unterwegs mit dem Volk Gottes am Xingu
www.domerwin.com: Aktuelles

Bericht

< Alternativer Nobelpreis für Dom Erwin
12.11.2010 00:00 Alter: 6 Monat(e)
Kategorie: Dom Erwin, Prälatur

Lieber Dom Erwin


Mädchen übergibt Blumen

Blumen für Dom Erwin

Heute, am 12. November 2010, sind wir, der Pastoralrat und die sozialen Bewegungen von Altamira, hier vor der Kirche zusammengekommen, um Ihnen zum Alternativen Nobelpreises zu gratulieren, der Ihnen, zwei weiteren Persönlichkeiten und einer Organisation von der internationalen Gemeinschaft verliehen wird.
Für Sie und uns ist das eine große Ehre, denn gemeinsam sind wir Kirche und Gesellschaft am Xingu, in Amazonien. Ihre Auszeichnungen, wie etwa der Preis ?Alceu Amoroso Lima? für die Verteidigung der indigenen Völker, und alle anderen Bekundungen der Anerkennung und Zuneigung für ihre Arbeit zum Besseren für Amazonien, für die indigenen Völker und für das Leben sind uns bekannt.
All diese Preise sind wertvoll, aber am kostbarsten ist, was wir alle ersehen, das vom Vater verheißene ewige Leben.
Ihr Friedenseinsatz für die indigen Völker, deren Anliegen im Wahlkampf keine Beachtung fanden, für die von der Agrarreform Vergessenen und ihre Kritik gegen die Großgrundbesitzer, ist ein Signal, wie sehr die politische Welt auf unser Land und die Wurzeln unserer Völker vergisst.
Ihr Friedenseinsatz für die misshandelten Buben und die missbrauchten Mädchen, ihre mahnenden Worte gegen die Zerstörung der Umwelt durch das geplante Kraftwerk Belo Monte, zeigen uns ihre Verpflichtung für das Leben.
Ihre Worte sind Worte der Verteidigung des Lebens. Gott hat gesagt: ?Du sollst nicht töten? und Dom Erwin, unser Hirte, bleibt nicht stumm, sondern erhebt seine Stimme gegen die Arroganz und Grausamkeit eines Systems, das den indigenen Völkern, den Jugendlichen, der Mutter Erde das Leben nimmt.
Danke Dom Erwin, für dieses Zeugnis, für diese Prophetie.
In unserer jüngeren Geschichte gibt es einige Beispiele von Menschen in Kirche und Zivilgesellschaft, die sich friedvoll gegen die Diktatur, den Großgrundbesitz auflehnten und für das Leben eingetreten sind: Chico Mendes, Ademir Alfeu Federicci (Dema), Schwester Dorothy, Dom Helder Câmara, und andere. Wie diese sind Sie Stimme und Anwalt jener, die das Volk Brasiliens, vor allem Amazoniens sind. Wir sind an Ihrer Seite als Schwestern und Brüder unterwegs.
Der Glauben und das Wort Gottes leiten uns, denn Sie sind ein Mann des Gebets, der täglichen Eucharistie, mit dem Rosenkranz in der Hand, nicht nur ein Sozialsprecher, ein Umweltschützer, ein Menschenrechtsaktivist. In jedem Moment Ihres Lebens sind Sie ein Mann Gottes. Der Gott des Lebens ist der letzte Grund Ihres Lebens. (...)
Heute ertönt unser Schrei gegen die Gefahr des Kapitalismus, seinen neoliberalen Zügen, wenn in Volkswirtschaften das Leben der Armen keinen Wert hat. Das kapitalistische System, das Fortschritt, Geld und Gewinn über alles stellt, kümmert sich nicht um die Armen, nicht um die indigenen Völker, die diesem System zum Opfer fallen, nicht um die Jugendlichen, denen in den Medien Ideale vorgegaukelt werden. Was heute zählt sind Gewinn und Gier.
Das Evangelium warnt uns: Niemand kann beiden dienen, Gott und dem Geld (vgl. Mt 6,24). Das heutige Wirtschaftsystem stellt sich über die Menschen, ganz besonders gegen die Armen. Es gibt Brotkrümel, ändert aber nicht die Strukturen, die Armut und Elend hervorbringen: eine Milliarde Hungernde.
Wenn das Wasserkraftwerk gebaut wird, werden die indigenen Völker entschädigt, sagt die Regierung, aber tatsächlich werden sie ihre Territorien, ihr Erbe, das Land für ihr Überleben und ihre Kulturen für immer verlieren.
Blicken wir auf Haiti: nach der Verwüstung durch das Erbeben zu Jahresbeginn jetzt die Cholera. Und wo bleibt die humanitäre Hilfe? Was wurde aus den Versprechen des Wiederaufbaus?
Leben steht auf dem Spiel. Auf der einen Seite der Kampf in den Banken, das Waffengeschäft, der Drogenhandel wo Geld und Gewalt regieren, auf der anderen Seite der friedliche Einsatz der Kleinen, der Armen, der indigenen Völker, der kirchlichen Basisgemeinden, der sozialen Bewegungen.
Und unser Bischof, Dom Erwin, ist an der Seite der Armen und gegen das System des Todes und wir sind mit ihm, in der Gewissheit, dass der Herr, der Gott des Lebens in unserer Mitte ist.
Danke Dom Erwin, für das Geschenk Ihres Lebens.
Pater Vicente Zambello, 12. November 2010