1939-1981
Kindheit, Jugend, Studium, Priesterweihe, die ersten Jahre in Brasilien
Erwin Kräutler wurde am 12. Juli 1939 als ältester von sechs Geschwistern in Koblach (Österreich) geboren
Weißer Sonntag, 10. April 1947, Erstkommunion in der Pfarrkirche zum Hl. Kilian in Koblach
Nach der Matura tritt er in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut (C.PP.S) ein und studiert in Salzburg Philosophie und Theologie. Neben dem Studium bleibt auch noch Zeit zum Musizieren.
Priesterweihe am 3. Juli 1965 im Dom zu Salzburg, danach Primiz in seiner Heimatgemeinde Koblach.
Am 2. November 1965 Abschied von der Familie. Zwei Tage später sticht die Emstein in See. An Bord Pater Erwin, der zwei Wochen später bei der Zwischenlandung in São Luís erstmals brasilianischen Boden betritt. In der Nacht des 24. November Ankunft in Belém.
Knapp einen Monat lang studiert der junge Pater in Belém eifrig portugiesisch, bevor er am Ziel seiner Reise ist.
In seinen ersten Jahren in Brasilien ist er am Unteren Xingu und Amazonas im Hafenort Vitória sowie in der Pfarre Souzel tätig.
25. Jänner 1981
Bischofsweihe in Altamira
01. Juni 1983
Protest der Zuckerrohrbauern an der Transamazônica.
Nach der Privatisierung einer Zuckerrohrfabrik will das Unternehmen eigene Plantagen anlegen, um nicht weiter von den Kleinbauern abhängig zu sein. Neun Monate lang wird den Bauern die Bezahlung der Ernte verweigert und sie reagieren mit Protest.
Brasilien war zu jener Zeit noch Diktatur. Militärpolizisten sollten die Ordnung wieder herstellen. Die Truppe kommandierte ein Major, der am Karfreitag zuvor in der Nähe von Medicilândia eine Kreuzwegandacht verbieten wollte, dort wo Manoel und Antônio als Warnung für die anderen grausam ermordet wurden.
Die Militärs gehen mit aller Härte gegen die Menge vor und verprügeln einen Demonstranten halb tot.
Als sich Dom Erwin in den Disput zwischen einem Kleinbauern und dem Major einmischt, gibt dieser den Befehl zur Festnahme.
Das Volk ist aufgebracht und schreit: «Lasst ihn los, er ist unser Bischof!»
Der Major fragt, ob sich der Kreuzweg geändert habe. «Ja, das hat er. Jesus ist nicht mehr auf Bildern gemalt. Er ist lebendig, gegeißelt, geschlagen, gekreuzigt in all den Menschen hier an der Transamazônica,» antwortete der Bischof. Vieles habe sich in ´unserer´ Kirche geändert, meinte der Major Kopf schüttelnd.
1981-2007
Als Bischof unterwegs.
«Wir wollen keinen Schreibtischbischof!» sagte das Volk zu Dom Erwin und dieser Wunsch ist ihm bis heute Auftrag.
Er scheut keine Anstrengung, weder den Staub während der Trockenzeit noch Schlamm und Morast während der Regenzeit, um sein geliebtes Volk in den entferntesten Siedlungen zu besuchen, und sich «heiser zu hören».
Für seine Pastoralreisen an den Oberen Xingu ist er nach dem Flug nach Belém noch mit einem Kleinflugzeug unterwegs.
Ein Kleinflugzeug bringt ihn auch in die indigenen Aldeias, die acht Tagesreisen mit dem Boot und weiter von Altamira entfernt sind.
Bischöfe, in deren Diözesen indigene Gemeinschaften beheimatet sind, gehören dem Indigenen Missionsrat (CIMI) an. Im Juli 1983 wählt ihn die Generalversammlung zum Präsidenten des CIMI und bestätigt ihn 1987 erneut in diesem Amt.
Im Kontext der Verfassungsgebenden Versammlung setzt sich Dom Erwin mit den indigenen Völkern für die Verankerung ihrer Rechte in der neue Verfassung ein. Die politisch Mächtigen und Feinde der Indios reagieren mit Diffamierung und Verleumdung. Eine Gruppe geht bis zum äußersten.
Am 16. Oktober 1987 ereignet sich auf km 23 an der Transamazônica ein Unfall, dessen Hintergründe ungeklärt bleiben. Dom Erwin wird schwer verletzt, liegt wochenlang im Spital. Pater Salvatore, sein Beifahrer, stirbt am Unfallort.
Allen Einschüchterungen zum Trotz ist Dom Erwin weiter mit dem Volk Gottes unterwegs, etwa bei der «Assembléia do Povo de Deus», der alle fünf Jahre stattfindenden Versammlung, bei der Delegierte aus allen Pfarren der Diözese das Ziel und Schwerpunkte für die Zukunft beschließen.
Die Brasilianische Bischofskonferenz wählt Dom Erwin als Delegierten der Generalkonferenz des lateinamerikanischen Episkopats und der Karibik (1992 in Santo Domingo, 2007 in Aparecida), der Bischofssysnode für Amerika (1997 in Rom) sowie 1994 und 1999 als Mitglied der Bischöfliche Pastoralkommission für die Missionarische Dimension.
Auf Einladung von Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky wirkt der Bischof als Berater bei der österreichischen Delegation bei UNCED im Juni 1992, in Rio de Janeiro, und beim Weltgipfel für soziale Entwicklung im März 1995, in Kopenhagen, mit.
In Anerkennung seines Einsatzes würdigen ihn die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, die Theologische Fakultät Luzern (1992) und die Fakultät Katholische Theologie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit einem Ehrendoktorat. Geehrt wird er auch mit Umwelt- und Menschenrechtspreisen.
Am 12. Februar 2005 wir Schwester Dorothy Stange, eine Mitarbeiterin der Prälatur, mit fünf Schüssen hingerichtet. Seit ihrer Beerdigung fordert der Bischof die lückenlose Aufklärung der Straftat, da die Drahtzieher des Verbrechens, die monatelang gegen die Schwester hetzten, noch immer ungestraft sind.
Wieder sind Hunderte Leute aus der Prälatur zum Dankgottesdienst aus Anlaß des 25. Jahrestages der Bischofsweihe nach Altamira gekommen. Ein bis heute unbekannter Mann schreit im Anschluß daran in die Menge, er habe zwei Kugeln für den Bischof.
Im Dezember 2006 zeichnet ihn die Brasilianische Anwaltskammer-Sektion Pará mit dem José Carlos Castro-Preis für die Verteidigung der Menschenrechte und das Leben in Amazonien aus. Seit 1992 ist er Ehrenbürger von Altamira, seit 1996 von Ourilândia do Norte und seit 2006 von Uruará. Die Chico Mendes Medaille wird ihm 2007 verliehen.
Obwohl die Drohungen gegen Dom Erwin andauern, geht er mit seinem Volk auf die Straße, protestiert gegen den Bau des Wasserkratwerks Belo Monte und gegen die sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen. Seine Feinde reagieren und kündigen an, dass er den 29.12.2006 nicht überleben werde.
Seit Oktober 2006 steht der Bischof rund um die Uhr unter Polizeischutz. Ich weiß, Gott ist mit mir. «Der Herr ist bei mir, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?» (Ps 118, 6). Mit dieser Zuversicht geht Dom Erwin den Weg mit dem Volk Gottes am Xingu weiter.
7. Oktober 2009 | Dies Academicus
Verleihung der Würde eines Ehrendoktors an Bischof Erwin Kräutler.
Aufgrund seiner Verdienste um eine Verbindung von Theologie und Praxis, seines Engagements für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Befreiungstheologie und der Verbundenheit mit Salzburg und seiner Alma Mater Paridiana wird an Bischof Erwin Kräutler das Ehrendoktorat der Theologie verliehen.
Bischof Kräutler verspricht, wie bisher durch die Förderung der Wissenschaft der menschlichen Gesellschaft zu dienen sowie der Universität verbunden zu bleiben.
Promotor Univ.-Prof. Dr. Werner Wolbert, Dr. hc. Erwin Kräutler, Rektor Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schmidinger.
Univ.-Prof. Dr.Dr.hc. Meier, Univ.-Prof. Dr. Puntscher Riekmann, Rektor Univ.-Prof. Dr. Schmidinger, Landeshauptfrau Mag. Burgstaller, Univ.-Prof. Dr. Wolbert, Dr. Anja Prexl (Promotion sub auspiciis praesidentis), Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Dr. Judith Maria Kainhofer (Promotion sub auspiciis praesidentis), Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Ferreira-Briza (Wissenschafterin 2008), Dr. hc. Erwin Kräutler.